Von Eric Böhm
München – Denard Robinson ist kein typischer Footballer.
Dabei sticht der frühere College-Superstar der Michigan Wolverines nicht nur durch seine Rastamähne oder seine Schnürsenkel hervor. Robinson ist einer der vielseitigsten Offensivspieler der NFL (Die NFL-Saison 2014 LIVE im TV auf SPORT1 US u. im LIVESTREAM).
Bei den Jacksonville Jaguars wird die Allzweckwaffe als Running Back und Receiver eingesetzt. Am College war er als sprintstarker Quarterback gefürchtet – kein Spielmacher erzielte jemals mehr Laufyards.
Nach einer ordentlichen Rookie-Saison 2013 mit ein paar Highlights ist der 23-Jährige heiß auf den Durchbruch und will die Jaguars aus dem Niemandsland hieven.
Bei SPORT1 spricht Robinson über sein Talent für Big Plays, Ziele, den Spitznamen „Shoelace“, London und den Traum von den Playoffs (SHOP: Jetzt Football-Artikel kaufen).
SPORT1: Mr. Robinson, am College waren Sie ein laufstarker Quarterback, bei den Jaguars spielen Sie jetzt von Receiver bis Running Back fast alles. Wie schwer ist es eigentlich all diese verschiedenen Positionen zu lernen?
Denard Robinson: Es ist schon eine harte Aufgabe. Aber wenn du etwas beherrschen willst, musst du Zeit investieren. Grundsätzlich will ich immer, wenn ich den Ball bekomme, den Touchdown. Das ist mein Antrieb. Da ist es egal, ob ich fange oder laufe. Die NFL ist mein Spielplatz, hier kann ich mich ausleben.
SPORT1: Haben Sie eigentlich eine Lieblingsposition oder ist die Vielseitigkeit Ihre größte Stärke?
Robinson: Ich war natürlich gerne Quarterback, aber mittlerweile sehe ich es als Vorteil, überall auftauchen zu können. Es ist immer gut, wenn du verschiedene Sachen einbringen kannst. Am Ende geht es darum, das zu machen, was dein Team an einem bestimmten Tag braucht. Da sind auch Matchups wichtig.
SPORT1: In den USA kennt Sie jeder Football-Fan als „Shoelace“ (Schnürsenkel). Können Sie den deutschen NFL-Anhängern erklären, wie es zu diesem Spitznamen kam?
Robinson: Bin ich etwa in Deutschland noch kein Star (lacht)? Das stammt aus meiner Kindheit. Als ich fünf Jahre alt war, konnte ich mir die Schuhe noch nicht gut zubinden. Also bin ich immer mit offenen Schuhen rumgelaufen. Beim Football hat sie mir der Coach zugebunden, aber sie gingen wieder auf und ich erzielte einen Touchdown. Von da an habe ich nur noch so gespielt und wurde „Shoelace“ genannt. Das habe ich auch am College für Michigan so gemacht. Bei den Jaguars wollten sie dann, dass ich sie zumindest ganz locker binde.
SPORT1: Sie waren schon als Rookie immer für ein Big Play gut, hatten aber auch ein paar Ballverluste. Nun loben die Coaches Ihre sicheren Hände. Was machen Sie jetzt anders?
Robinson: Ich habe mir Sekundenkleber auf die Handschuhe gemacht (lacht). Nein, es ist eine Frage der Konzentration. Du musst die Offseason nutzen, um an solchen Kleinigkeiten zu arbeiten. Nur so wirst du besser. Es lag sicher auch daran, dass ich mich an die neuen Positionen gewöhnen musste, da hältst du den Ball anders und in der NFL hast du kräftigere Gegenspieler.
SPORT1: Viele Experten trauen Ihnen als X-Faktor eine starke Saison zu. Sind Sie bereit für eine größere Rolle im Angriff?
Robinson: Natürlich! Du willst immer noch öfter den Ball haben. Wenn mich die Coaches brauchen, bin ich da. Ich denke, ich kann den Unterschied ausmachen.
SPORT1: Was haben Sie bisher für einen Eindruck von Jacksonvilles Rookie-Spielmacher Blake Bortles?
Robinson: Blake ist ein großartiger Quarterback. Er hat alles Vorrausetzungen, um ein ganz Großer zu werden. Sein Arm ist fantastisch, außerdem ist er auch ein guter Typ mit viel Humor.
SPORT1: Wie sehen die Ziele der jungen Jaguars für die kommende Saison aus? Können Sie um einen Playoff-Platz mitspielen?
Robinson: Ich denke schon. Für uns geht es aber im Moment in erster Linie darum, besser zu werden. Nur wenn du jeden Tag an dir arbeitest, kommst du an die richtig guten Teams heran. Trotzdem sage ich, wir werden in die Playoffs kommen. Darauf dürfen Sie mich festnageln.
SPORT1: Jacksonville trägt in den kommenden drei Saisons jeweils ein Heimspiel in London aus. Viele NFL-Spieler mögen den Reisestress nicht. Wie stehen Sie dazu?
Robinson: Ich freue mich darauf. Ich komme aus einer kleinen Stadt in Deerfield Beach, Florida. Ich hatte nie die Chance, einmal in ein anderes Land zu fahren. Jetzt darf ich das Spiel, das ich liebe, und mich selbst sogar in Europa repräsentieren. Das ist eine tolle Chance.
SPORT1: Halten Sie mittelfristig ein europäisches NFL-Team für realistisch? Die Jaguars werden ja häufig als Kandidat gehandelt?
Robinson: Keine Ahnung. Ich glaube, wegen des Reisestresses halte ich es für schwierig. Einmal im Jahr ist das okay, aber jede Woche wäre das auch wegen der Zeitumstellung sehr problematisch.
