Drama bei Schwimm-EM

Drama bei Schwimm-EM

Beim 10-km-Rennen wird die Polin Natalia Charlos bewusstlos und muss beatmet werden. Bundestrainer Stefan Lurz schimpft auf die Lebensretter, Bruder Thomas greift fast selbst ein.

Der Auftakt der Schwimm-EM in Berlin ist von einem Zwischenfall überschattet worden.

Die völlig erschöpfte polnische Langstreckenschwimmerin Natalie Charlos, die in Elmshorn lebt und trainiert, verlor kurz vor dem Ziel im 10-km-Rennen das Bewusstsein.

Deutscher Teamarzt greift ein

Nach einer Behandlung an Land durch den deutschen Teamarzt Alexander Beck befand sich die Athletin aber wieder in einem stabilen Zustand. Die 21-Jährige wurde ins Krankenhaus zur näheren Untersuchung gebracht.

“Beim Eintreffen war sie nicht ansprechbar, wahrscheinlich hat sie sich überanstrengt. Mittlerweile ist sie wieder soweit stabil, sie ist ansprechbar und hat mich auch erkannt”, sagte Beck: “Wenn keiner daneben ist und sie rausholt, dann ertrinkt sie.”

“Die haben nur zugeschaut”

Allerdings musste die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG für ihre Rettungsaktion auch Kritik einstecken.

“Das war einfach unglaublich. Ich habe wie am Spieß geschrien, aber die fahren 50 Meter nur nebenher. Die haben nur zugeschaut”, sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz.

Sein Bruder, Rekord-Weltmeister Thomas Lurz, “wollte schon reinspringen und sie rausholen”, sagte Stefan Lurz. Die Nachrichtenagentur “dpa” zitiert Stefan Lurz außerdem mit den Worten: “So ein Dreck von der DLRG. Erst die Sonnenbrille abnehmen und dann erst ins Wasser.”

Kritik an der DLRG

“Es war ein Schock, sie ist eine gute Freundin”, sagte Vize-Euroapmeister Rob Muffels, der auf der Regattastrecke Grünau Rekordweltmeister Lurz um sieben Zehntelsekunden auf den dritten Platz verdrängt hatte.

“Da hatten wir sehr, sehr viel Glück”, sagte der 34-Jährige Lurz, “da darf man nicht zugucken.”

Wenn das Verhalten der DLRG tatsächlich war, wie Lutz es beschreibt, “muss das auf jeden Fall mit dem DLRG besprochen werden, damit so etwas nicht mehr passiert”, sagte EM-Pressesprecher Harald Gehring auf SPORT1-Nachfrage. Die Technischen Leiter des Wettbewerbs würden das Gespräch mit den Rettern suchen.

DLRG will intern aufarbeiten

Der Bundesverband der DLRG bemüht sich derweil um eine Aufarbeitung der Vorwürfe. “Wir sind dabei, das intern zu klären”, teilte Sprecher Martin Janssen SPORT1 mit. Für die Absicherung der Freiwasser-Wettkämpfe ist der DLRG-Bezirk Rostock zuständig, der zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar war.

Maurer geschockt

Angela Maurer, die auf einem enttäuschenden 13. Platz das Rennen beendete, berichtete: “Das war erschreckend, sie hatte schon Schaum vor dem Mund, als sie ins Boot geholt wurde. Ich habe das schon vor vier Jahren mit Francis Crippen mitgemacht, so etwas ist wirklich schlimm.”

Der US-Amerikaner Crippen war beim Weltcuprennen 2010 in Fudschaira (Vereinigte Arabische Emirate) bei über 30 Grad Wassertemperatur gestorben und erst zwei Stunden nach Ende des Rennens leblos im Wasser gefunden worden.

Die Untersuchungskommission zum Tod des Schwimmers hatte daraufhin vom Weltverband FINA Wassertemperaturen von 18 bis 28 Grad gefordert.

Die Niederländerin Sharon van Rouwendaal gewann das Rennen in 1:56:06,9 Stunden vor Olympiasiegerin Eva Risztov aus Ungarn und der Italienerin Aurora Ponsele (News).