DLRG gibt Schuld an Kampfgericht weiter
Nach Kritik an ihrer Bergung von Natalia Charlos bei der EM in Berlin schiebt die DLRG dem Kampfgericht den Schwarzen Peter zu.
Einen Tag nach der dramatischen Rettungsaktion der polnischen Freiwasserschwimmerin Natalie Charlos zum EM-Auftakt in Berlin ist ein Streit über die Schuldfrage entbrannt.
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat sich gegen die Vorwürfe gewehrt, in der brenzligen Situation zu zögerlich gehandelt zu haben.
Stattdessen übte die DLRG scharfe Kritik am Kampfgericht. DSV-Präsidentin Christa Thiel forderte als Konsequenz Regeländerungen.
“Als die Rettungsschwimmer des Bootes die Gefahr für die polnische Schwimmerin erkannten, fragten sie sofort beim Kampfgericht nach, ob sie die erschöpfte Athletin aus dem Wasser holen sollten. Die Antwort des Kampfgerichtes lautete nein. Diese Aussage wird durch die Funkprotokolle bestätigt”, sagte DLRG-Landeseinsatzleiter Frank Villmow.
Schuld bei Kampfgericht?
Diese Anweisung habe die Gesundheit der in Elmshorn lebenden und trainierenden Charlos gefährdet, sagte Villmow: “Beim Ertrinken geht es um Sekunden. Dieses Verfahren hat die polnische Langstreckenschwimmerin in eine lebensbedrohliche Situation gebracht.”
Die DLRG fordert künftig mehr Entscheidungsfreiheit für die Rettungskräfte bei der Sicherung von Freiwasser-Veranstaltungen. Notfalls müssten Ausnahmesituationen ins Regelwerk aufgenommen werden.
Die Regeln des Weltverbandes FINA sehen vor, dass Schwimmer ein Handzeichen geben müssen, ehe die Helfer eingreifen dürfen. “Die, die mit dem Schwimmen nichts zu tun haben, denken, die haben einen Sprung, so eine Regelung zu haben”, sagte DSV-Präsidentin Thiel und forderte: “Man sollte den Sicherheitskräften ermöglichen, sofort einzugreifen.”
Lurz begrüßt Regeländerung
Das wäre ganz im Sinne der DLRG, die für die Zukunft mehr Entscheidungsfreiheit für die Rettungskräfte bei der Sicherung von Freiwasser-Veranstaltungen fordert.
Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz begrüßte Thiels Vorstoß ebenfalls. “Wenn es um mehr Sicherheit für meine und die anderen Athleten geht, bin ich immer dafür”, sagte der Bruder des Rekord-Weltmeisters Thomas Lurz. Er schlug zudem vor: “Man kann auch mit Rettungstauchern arbeiten, falls wirklich mal jemand untergeht.”
Charlos wird aus Krankenhaus entlassen
Die 21-jährige Charlos drohte am Mittwoch im Zehn-Kilometer-Rennen wenige Meter vor dem Ziel zu ertrinken. An Land leistete der deutsche Teamarzt Alexander Beck Erstversorgung.
Der Zustand der Sportlerin ist inzwischen wieder stabil, sie sollte am Donnerstag aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Da sich die Athletin längere Zeit kaum noch über Wasser halten konnte und sogar den falschen Zielkorridor gewählt hatte, hätten sich viele Beobachter der Szene ein schnelleres Eingreifen der Rettungskräfte gewünscht.
Bundestrainer Stefan Lurz hatte die DLRG scharf kritisiert: “Ich habe wie am Spieß geschrien, aber die fahren mit dem Boot 50 Meter nur nebenher. Das ist unglaublich.” Auch Thomas Lurz hatte kein Verständnis gezeigt und sogar selbst in die Dahme springen wollen: “Da darf man nicht einfach nur in die Luft gucken.”