Der Überschwang in Italiens Medien ist so groß wie erwartet.
Zum “Sonnenkönig” wurde Vincenzo Nibali ausgerufen, zum “Herren der Tour”, die “Gazzetta dello Sport” erschien “König Nibali” zu Ehren gar in Gelb statt im traditionellen Rosa.
Staatspräsident Giorgio Napolitano gratulierte ebenso wie Premierminister Matteo Renzi.
Mit 7:37 Minuten Vorsprung hat der 29-Jährige die 101. Tour de France gewonnen.
So deutlich, dass auch die Fragen abgeklungen sind, ob er auch die ausgefallenen Alberto Contador und Chris Froome abgehängt hätte. Nibali ist damit der erst sechste Fahrer, der beim Giro d’Italia, der Vuelta und Frankreichs großer Schleife triumphiert hat.
Der Tscheche Roman Kreuziger vom Team Saxo-Tinkoff wurde zudem in diesem Jahr wegen auffälliger Blutwerte aus seiner Zeit bei Astana zwischenzeitlich aus dem Aufgebot gestrichen. Auch er musste zugeben, 2006 und 2007 mit Ferrari zumindest zusammengearbeitet zu haben.
Wie einst Eddy Merckx
Das Dopingthema zwingt Nibali zu verbaler Offensive, wo sonst vornehme Zurückhaltung die Art des Sizilianers ist – wenn auch natürlich nur abseits der Strecke.
Auf ihr hat Nibali einen früher oft übertriebenen Hang zur Attacke, Spitznamen wie “Hai von Messina” und “CanNibali” eingebracht hat, in Anlehnung an den Original-Kannibalen Eddy Merckx.
Nibali erklärt seinen Stil oft mit seiner Lebensgeschichte, in der es diverse Episoden gibt, die seine Zielstrebigkeit unterstreichen.
Touren auf den Ätna
Schon als 15-Jähriger verließ er Elternhaus und gewohntes Umfeld, um sich in der Toskana zum Radprofi ausbilden zu lassen.
Davor radelte der junge Nibali in der Heimat oft den Ätna hinauf, um seine Grenzen auszutesten.
Manchmal verließen ihn dabei die Kräfte, umkehren aber wollte er nie.
Im schlimmsten Fall ließ er sich helfen: Das Auto seiner Eltern zog Nibali dann mit dem Seil nach oben.
Vincenzo Nibali – auch Twitterkönig der Tour:
