Die Erinnerung an das legendäre Bonmot von Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg 1990 kommt einem fast zwangsläufig, wenn man auf die jüngsten Erfolge des DFB blickt.

Erst Weltmeister, dann U-19-Europameister – der Aussage von Verbandsboss Wolfgang Niersbach kann man nicht widersprechen: „Viel mehr war im Juli nicht zu gewinnen.“

Zwar dürfte allen Beteiligten klar sein, dass die beiden Triumphe keinen Automatismus a la Beckenbauer nach sich ziehen.

Trotzdem ist der EM-Titel für den deutschen Nachwuchs ein äußerst hoffnungsvolles Signal. Wurde beim DFB früher fast ausschließlich auf die A-Mannschaft gesetzt, hatte unter Sportdirektor Matthias Sammer ein Umdenken stattgefunden.

Motto: Nur große Titel machen aus guten Spielern große Spieler ? auch perspektivisch. Nicht ohne Grund hatte der Kern des U-21-Europameisterteams mit Neuer, Boateng, Khedira und Özil großen Anteil am WM-Sieg in Brasilien.

Dieser Erfolgspfad bei den Junioren war nach Sammers Wechsel zum FC Bayern ein Stück weit verloren gegangen, die U 19 etwa hatte die letzten fünf EM-Endrunden verpasst.

Nun aber ist das Siegergen offenbar wieder zurück ? die DFB-Elf war in Ungarn eindeutig die beste Mannschaft des Turniers und gewann auch ohne Top-Leistungsträger wie Max Meyer oder Timo Werner völlig verdient.

Stattdessen spielte sich der Bremer Torjäger Davie Selke in den Fokus. Ob er deshalb schon der Nachfolger von Miroslav Klose ist, darf man getrost bezweifeln. Gleichwohl kann sich Joachim Löw über das große Reservoir an Toptalenten freuen.

Und in Marcus Sorg dürfte der Bundestrainer auch seinen neuen Assistenten gefunden haben. Als Europameister-Trainer geht der mit ganz anderem Renommee in die Aufgabe als wie bisher als erfolgloser Halbjahrescoach des SC Freiburg.