Rudi Völler ließ erst gar keine Missverständnisse aufkommen.
Ausreden zählen für den Sportdirektor von Bayer Leverkusen nicht.
Deshalb gibt es für die Werkself im Hinspiel der Qualifikation zur Champions League beim FC Kopenhagen auch nur ein Ziel: den ersten Schritt zur Gruppenphase.
Und damit das große Geld. Renommee. Das Konzert der besten Mannschaften Europas. Die große Fußball-Bühne.
Vorsaison krönen
“Das ist ein gefährlicher Gegner. Klar gehen wir als leichter Favorit in die Spiele. Als Vierter der Bundesliga gegen den Zweiten aus Dänemark ist es aber auch Pflicht”, sagt Völler.
Und stellt unmissverständlich klar: “Wir wollen jetzt die wechselhafte vergangene Saison krönen.”
Verlieren verboten also. Denn auch ein Klub wie Leverkusen kann und will auf 20 Millionen Euro garantierte Einnahmen nicht verzichten. Von den eigenen Ansprüchen mal ganz zu schweigen.
“Unser Anspruch muss es sein, wieder in der Champions League zu spielen”, unterstreicht Kapitän Simon Rolfes.
Keine Probleme im Pokal
Den ersten möglichen Stolperstein hatte Schmidts Truppe in der ersten Runde des DFB-Pokals souverän aus dem Weg geräumt.
Verbandsligist Alemannia Waldalgesheim war allerdings nicht mehr als ein Sparringspartner unter Wettbewerbsbedingungen.
“Wir haben da schon sehr konzentriert gearbeitet, aber jetzt müssen wir noch einen Gang höher schalten”, sagt Rolfes.
Sehr konzentriert war auch Stefan Kießling, dem beim dem 6:0 gleich fünf Treffer gelangen.
Kießling warnt trotz Fünferpack
Doch der 30-Jährige weiß, wie viel solch ein Spiel wert ist, wenn die Königsklasse verpasst wird:
“Wir wollten von Anfang an Gas geben, und das ist uns auch gelungen. So wollen wir auch gegen Kopenhagen auftreten. Das wird aber ein ganz anderes Spiel”, sagt er.
Personell kann Schmidt fast aus dem Vollen schöpfen. Der 47-Jährige verzichtete zwar auf den angeschlagenen Kyriakos Papadopoulos, kann dafür aber wieder auf Abwehrchef Ömer Toprak zurückgreifen.
“Wir sind heiß drauf, wieder in die Champions League zu kommen”, betont Toprak.
Saison in Dänemark läuft
Während Bayer nach dem lockeren Pokal-Aufgalopp vor der ersten ernsthaften Standortbestimmung steht, läuft in Dänemark die Saison bereits. Ein Vorteil? Nicht unbedingt.
Denn der Gegner hat sich zur Unzeit eine Auszeit genommen: Kopenhagen befindet sich in der Krise. (Bericht: Bayer bereit für Duell mit Solbakken)
Am Wochenende setzte es eine 1:2-Heimniederlage gegen den FC Midtjylland. Die zweite nach einem peinlichen 0:3 gegen Aufsteiger Hobro. Nach fünf Spieltagen belegt das Team des ehemaligen Bundesliga-Trainers Stale Solbakken nur Platz neun von zwölf Mannschaften.
Ein weiteres Problem: Ausgerechnet Topstar Nicolai Jörgensen, bis 2013 noch in Leverkusen unter Vertrag, wird neben vier weiteren Spielern wegen einer Zerrung gegen seinen Ex-Klub fehlen.
Das Ziel schon erreicht
Solbakken weiß also, warum er die Favoritenrolle automatisch nach Leverkusen geschoben hat.
Allerdings kann seine Mannschaft die Aufgabe vor heimischem Publikum zumindest etwas lockerer angehen als die Werkself.
Denn die Dänen haben ihr internationales Ziel schon jetzt erreicht. “Wir hatten das Ziel, in Europa in eine Gruppenphase zu kommen. Das haben wir geschafft”, sagt Solbakken.
Der Verlierer der beiden Qualifikationsspiele darf immerhin in der Gruppenphase Europa League weitermachen.
Für Bayer wäre das nur ein ganz schwacher Trost.
