Mehdi Benatia ist der Beste, dieser Überzeugung sind offensichtlich viele.
Kaum eine Minute vergeht in den sozialen Netzwerken, in der kein Fan des italienischen Fußballs ein Loblied auf den 1,91-Mann vom AS Rom anstimmt.
Benatia sei der beste Innenverteidiger in Italiens Serie A, der europaweit beste Abwehrspieler der vergangenen Saison, wenn nicht gar gleich der Beste der Welt.
Letzteres ist womöglich übertrieben, aber man merkt: Es ist kein kleiner Fisch, den der FC Bayern da gerade am Haken hat.
FC Bayern arbeitet intensiv am Transfer
Der französisch-marokkanische Hüne ist der Wunschkandidat, um die Lücke zu füllen, die der Ausfall von Javi Martinez im Bayern-Kader hinterlassen hat.
Nach SPORT1-Informationen war eine Abordnung der Münchener bereits in Rom, der Klub arbeitet intensiv an einer Verpflichtung Benatias.
Es muss schnell gehen, die Umstände gebieten es.
Unter Zugzwang
Es ist zwar erst neun Tage her, dass Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Coach Pep Guardiola bei SPORT1 als “wunschlos glücklich” bezeichnet hat, was dessen Kader angeht.
Martinez’ Kreuzbandriss bei der Supercup-Niederlage gegen Borussia Dortmund hat diesen Zustand offiziell beendet.
Bayerns Technischer Direktor Michael Reschke bestätigte am Samstag bei SPORT1, dass sein Klub noch einmal aktiv werden würde auf dem Transfermarkt.
Benatia, ein Spätstarter
Das Profil, das der Martinez-Ersatz erfüllen soll, hat Guardiola am Samstag bei der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel gegen Preußen Münster umrissen.
“Groß, schnell, kopfballstark, flexibel einsetzbar”, soll er sein – “und wenig kosten”.
Benatia, Nationalmannschaftskapitän Marokkos, junger Vater zweier Kinder und Bewunderer Zinedine Zidanes und Paolo Maldinis, erfüllt die ersten vier Voraussetzungen. Auch wenn der 27-Jährige karrieretechnisch ein Spätstarter war.
Schwieriger Karrierestart
Der gläubige Muslim aus dem Pariser Vorort Courcouronnes wurde zwar im nationalen Elite-Leistungszentrum Clairefontaine ausgebildet, fasste bei seinem Jugendverein Olympique Marseille aber nie Fuß.
Benatia hatte Probleme mit Verletzungen, wurde mehrmals ausgeliehen, verließ den Klub 2008 schließlich, ohne ein einziges Ligaspiel bestritten zu haben. Da war er schon 21 Jahre alt.
Nach zwei Jahren beim Zweitligisten Clermont Foot schaffte er mit dem Wechsel zu Udinese Calcio in Italien den Durchbruch.
Erfolgreicher Fixpunkt
Im vergangenen Jahr zog es ihn dann weiter zum AS Rom, wo er Europas Top-Vereine endgültig hellhörig machte.
Trainer Rudi Garcia, damals ebenfalls neu im Amt, machte den Anführertyp Benatia zu einem Fixpunkt seiner Defensive.
Das Ergebnis: Die Roma kassierte in 38 Serie-A-Spielen nur 25 Gegentore ? im Jahr zuvor waren es 56.
Torgefährlich ist Benatia außerdem. Fünf Treffer gingen vergangene Saison auf sein Konto, immer wieder Pistolero-Geste bejubelt.
Begehrt bei Europas Topklubs
Europas Topklubs reißen sich nun um Benatia. Manchester United, Manchester City, der FC Chelsea sollen um ihn wetteifern, auch die Bayern sollen laut der “Gazzetta dello Sport” im Juni mit einem 33-Millionen-Angebot für Benatia bei Rom abgeblitzt sein.
Die Spekulationen um Benatia sind so umfangreich, dass auch er selbst genervt ist.
“Ich mag das nicht”, hielt er kürzlich fest: “Jedesmal wenn ich die Zeitung aufschlage, sehe ich eine andere Mannschaft, die mit mir in Verbindung gebracht wird.”
Garcia tut all diese Zeitungsberichte seit Monaten mit dem immergleichen Satz ab: “Benatia hat noch vier Jahre Vertragslaufzeit – ohne Ausstiegsklausel.”
Keine billige Lösung
Bedeuten müssen derartige Statements in dem Gewerbe bekanntlich wenig, zumindest bedeutet der Hinweis auf Benatias Langzeitkontrakt aber eines: Er wird teuer.
Die Römer überwiesen im vergangenen Jahr 13,5 Millionen Euro für ihn, nun wollen sie dem Vernehmen nach ein Vielfaches dieser Summe. Die Forderung soll sich im 30-Millionen-Bereich bewegen.
Und bei nur noch 14 Tagen, an denen das Transferfenster geöffnet ist, sind die Voraussetzungen, viel davon wegzuverhandeln, nicht gerade günstig.
Guardiolas fünfte Voraussetzung erfüllt Benatia folglich nicht. Aus sportlicher Sicht scheint er aber das Zeug zu haben, ihn wieder wunschlos glücklich zu machen.
