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Mkhitaryan und Aubameyang könnten ein Muster beim BVB verdeutlichen. Viele Stars starten im zweiten Jahr unter Klopp durch.

Jürgen Klopp hatte gut lachen. Es war einer jener Abende, an denen der Trainer von Borussia Dortmund seinen Beruf auch gegen den des Komödianten hätte eintauschen können.

Seine Pointen jagten einander wie zuvor die Chancen seiner Mannschaft – und er traf ebenso zielsicher ins Schwarze wie seine Spieler beim 2:0 im Supercup gegen den FC Bayern.

“Rekordsupercupsieger? Klingt cool”, sagte Klopp mit seinem etwas schiefen Grinsen und schob gleich einen Auftrag für die Textil-Abteilung des BVB hinterher: “Da machen wir ein T-Shirt draus.”

So wie einst der Weltpokalsiegerbesieger FC St. Pauli.

Den größten Anteil am bereits fünften Triumph der Borussia im Supercup Erfolg hatten Henrikh Mkhitaryan und “Spiderman” Pierre-Emerick Aubameyang – und das mag kein Zufall sein.

Während Jürgen Klinsmann einst als Trainer beim FC Bayern mit dem Vorsatz antrat, jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser zu machen, sticht bei Klopp ein anderes Muster hervor.

Seine Spieler starten zumeist erst im zweiten Jahr so richtig durch. Dann aber mit Nachdruck.

So war es damals auch mit Robert Lewandowski nach seinem Wechsel zum BVB. In seinem ersten Jahr brauchte und bekam der Pole hinter Lucas Barrios die nötige Anlaufzeit.

So könnte es jetzt mit Mkhitaryan und Aubameyang sein.

Während sich die Experten die Köpfe heiß reden, ob die Neuzugänge Ciro Immobile oder Adrian Ramos die Lücke von Lewandowski schließen werden, könnten Mkhitaryan und Aubameyang die wahren Trümpfe der Borussia sein.

Die etwas längere Anpassungszeit hat seine Gründe. Zum einen kauft Dortmund eher selten fertige Stars, sondern eher Spieler mit Entwicklungspotenzial.

Das ist der Philosophie des BVB geschuldet und hat natürlich auch wirtschaftliche Gründe.

Zum anderen verlangt Klopp taktisch viel.

Das fängt bei der Arbeit gegen die ballführende Mannschaft an und hört bei den flexiblen Laufwegen in der Offensive auf – und das alles unter Höchstgeschwindigkeit.

Klopp lässt dies in den Trainingsseinheiten immer wieder stundenlang einüben. Eine mühsame Alltagsarbeit wie bei einem virtuosen Pianisten.

Es scheint, dass dies nun auch bei Mkhitaryan und Aubameyang fruchtet.

Aubameyang bestach schon immer durch seine pfeilschnellen Antritte. Nun wirkt er zusätzlich ruhiger und abgeklärter. Wie bei seinem Kopfball zum 2:0 in der 62. Minute.

Dass er seinen Hang zum Exzentrischen nicht abgelegt hat, bewies Aubameyang beim verrückten Torjubel mit Spiderman-Maske. 2012 bei seinem Ex-Klub St. Etienne war dies sein Markenzeichen – zu Ehren des langjährigen Torhüters und Spiderman-Fans Jeremie Janot.

Diesmal hatte Aubameyang die eigentlich eingemottete Kapuze für seinen Sohn Curtis aus dem Schrank geholt.

“Das habe ich ihm zu seinem dritten Geburtstag versprochen”, klärte er auf.

Klopp lächelte schelmisch nach der Auferstehung seines Superhelden. Auch das ist eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Er lässt seinen Stars ihre Freiheiten und Eigenheiten.

Bei Mkhitaryan liegt die Sache etwas anders.

Beim sensiblen Armenier ist Klopp eher als Psychologe gefordert.

In der vergangenen Saison schien es phasenweise so, als ob Mkhitaryan von der Last der eigenen Ansprüche und der Ablöse von 27,5 Millionen Euro als teuerster Zugang der Dortmunder Vereinsgeschichte erdrückt wurde.

Klopp reagierte in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit. Er versetzte Mkhitaryan von der Spielmacherposition auf die Außenbahn, nahm ihm die Bürde der Verantwortung und sorgte für einen Akt der Befreiung.

Sein Antritt und sein Schuss in der 23. Minute waren wie eine Explosion.

Es gibt übrigens noch einige andere Spieler, die beim BVB in ihre zweite Saison gehen.

Abwehrrecke Sokratis, der Lewandowski im Supercup kalt stellte, ist so ein Fall.

Gleiches gilt für Erik Durm und Jonas Hofman. Auch Milos Jojic ist zu nennen. Sie alle könnten nochmal einen Sprung machen.

Der FC Bayern ist gewarnt. Vor Nachhaltigkeitsverbesserer Klopp und der zweiten Dortmunder Welle.