Ein Plan des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sorgt für Aufsehen.
In den nächsten Wochen wolle sich die Polizei bei risikoarmen Spielen aus den Stadien des Bundeslandes zurückziehen, hieß es aus Düsseldorf.
Doch was bedeutet der Plan in der Praxis? SPORT1 sprach mit Rainer Wendt, dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).
– Was ist der Plan?
“Mit Beginn der Spielsaison 2014/15 möchte die Polizei NRW ein Signal setzen und die Eigenverantwortung der fußballbegeisterten Fans und der Vereine stärken”, heißt es im Konzeptpapier “Einsatz der Polizei aus Anlass von Fußballveranstaltungen” des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD).
Demnach wolle das Ministerium bis zum 27. September Spiele in der 1., 2. Und 3. Liga untersuchen. Dabei sollen “Spielbegegnungen identifiziert” werden, die “ohne den Einsatz von Bereitschaftspolizei oder mit einem sogenannten geringeren Kräfteansatz als in den Vorjahren stattfinden sollen.
Bei ausgewählten Partien der ersten vier Bundesligaspieltage sollen zudem weniger Polizisten zum Einsatz kommen. Auch auf die Begleitung von Auswärtsfans vom Bahnhof zum Stadion soll verzichtet werden.
– Was sind die Gründe?
Für Wendt sind die Pläne vor allem eine Anpassung der Einsatzstärke an sogenannte tatsächliche Gegebenheiten. “Man muss genau haushalten mit den Kräften und sagen, ‘Wir schicken nur dort die Hundertschaften hin, wo sie auch ganz dringend benötigt werden, und nicht auf Verdacht.’ Möglicherweise ist auch bei dem einen oder anderen Polizeiführer der Wunsch größer gewesen, mehr Kräfte zu befehligen, als es wirklich notwendig gewesen wäre”, sagte Wendt bei SPORT1.
Da werde jetzt “genauer hingeschaut. Das ist wirtschaftlicher Umgang mit dem wertvollsten Potenzial, das die Polizei hat, nämlich ihren Beamtinnen und Beamten.”
– Wer entscheidet, welches Spiel ein Risiko darstellt?
Rainer Wendt erklärt bei SPORT1 die Prozedur: “Die Lagebeurteilung wird in der Einsatzabteilung im Innenministerium gemacht. Dies geschieht auf der Grundlage der Erfahrungen, die wir mit den bisherigen Begegnungen haben und auf der Grundlage der Erkenntnisse, die wir aus den Behörden bekommen; von den szenekundigen Beamten, von Streifenpolizisten, von den Aufklärungskräften.”
Diese Informationen werden zusammengetragen und auf dieser Basis entschieden, erklärt er, ob es sich um ein risikoarmes Spiel oder ein Risikospiel handelt. “Das haben wir eigentlich immer gemacht, jetzt wird nur ein wenig genauer hingeschaut.”
– Was passiert bei Ausschreitungen?
Es steht die Frage im Raum, ob der Rückzug der Polizei ein Freifahrtschein für Chaoten ist? Wendt verneint derartige Befürchtungen mit Nachdruck: “Wer glaubt, außer Rand und Band geraten zu können, den kann ich nur warnen. Denn die Polizei wird ja nicht nur mit Verkehrsregelungsposten anreisen. Wir werden auch dort mit Kräften präsent sein, nur nicht mehr so offen, sondern eher zurückgezogen. Aber es ist nicht so, dass es polizeifreie Zonen wären, sondern ganz im Gegenteil. Die Bürger können sich darauf verlassen. Wenn sie beschützt werden müssen, werden sie auch beschützt.”
– Ein Projekt, das Schule macht?
Wendt ist optimistisch, dass das Pilotprojekt kein Einzelfall bleibt: “Nach dem Ablauf der Pilotphase wird man sehr sorgfältig das analysieren müssen. Dann wird man sehen, ob man auf der Grundlage dieser Erfahrungen tatsächlich Bewertungen weitergeben kann. Warum sollen andere Länder nicht von positiven Erfahrungen lernen? Kein Land will seine Kräfte vergeuden.”
Positive Signale gibt es bereits von der rot-grünen Landesregierung in Baden-Württemberg, das mit zehn Vereinen hinter Nordrhein-Westfalen die meisten Profiklubs stellt.
