Es gibt diejenigen, die es gut meinen.

Die sich und andere in gutgemeinter Absicht fragen, was das alles soll. All die Berichte, Kommentare, Talkshows, weil ein Fußballer sagt, dass er andere Männer liebt.

Das sollte doch völlig normal sein in diesen Zeiten. Und anderen Leuten doch auch völlig egal. Es ist ja obendrein auch eine private Angelegenheit.

Es ist doch keine große Sache, warum machen wir also jetzt ein so großes Thema daraus?

 

Es steckt ein richtiger Punkt in dieser Kritik, die wir als Journalisten gerade immer wieder hören: Es sollte nämlich tatsächlich normal, selbstverständlich und kein großes Thema sein, wenn ein Fußballer sagt, dass er homosexuell ist.

Das Problem ist nur, dass es in der tatsächlichen (Fußball-)Welt nicht so ist. Und genau das ist das eigentliche Thema.

Es ist das Thema, dass Fußballer, die Männer lieben, nicht die Wahl haben, ob sie ihre Sexualität als die private Angelegenheit behandeln oder offen damit umgehen – selbst wenn sie nur glauben, diese Wahl nicht zu haben.

Dass Menschen einen gewichtigen Teil dessen, was sie und ihre Identität ausmacht, systematisch vor anderen Menschen verbergen – aus Angst vor den Nachteilen der Wahrheit.

Und all dies mitten in einem gesellschaftlich nicht ganz unbedeutendem Teil des weltoffenen Deutschlands.

Ist das normal? Ist das egal? Nein. Es ist ein verdammter Skandal.

Und die Behebung des Skandals wird noch lange dauern – weil er auf Denk- und Handlungsstrukturen basiert, die sich über viele Jahrzehnte so eingespielt haben.

Es nützt nichts, festzustellen, dass es diese Strukturen nicht geben sollte. Es nützt nur etwas, sie aufzubrechen.

Dazu braucht es noch zig Thomas Hitzlspergers, die die Angst davor überwinden, sich selbst nicht mehr zu verbergen.

Es braucht noch tausende andere prominente und unprominente Menschen, die diesen Hitzlspergers sagen, dass genau das so in Ordnung ist – und dabei lauter sind als die nicht Verbesserlichen in den sozialen Netzwerken und anderswo.

Und es braucht noch zig tausende Berichte, Kommentare und Talkshows, die ausforschen und hinterfragen, warum es diese zig Thomas Hitzlspergers (noch) nicht gibt.

Auch wenn’s nervt. Denn es sollte einen auch nerven, dass all das immer noch nötig ist.

Es sollte kein großes Thema sein, wenn ein Fußballer sagt, dass er homosexuell ist.

Aber es muss jetzt eins sein – damit es irgendwann keins mehr ist.