Im ersten Moment muss man sich verwundert die Augen reiben über Matthias Sammer und die Gnadenlosigkeit seiner Abrechnung.
Kuscheloase, sagt er. Wie einer selbigen gehe es zu beim FC Bayern, klagt er. So gehe das nicht, hält er fest.
Harte Worte – und man fragt sich schon, was Sammer zu ihnen treibt. Wo doch zunächst einmal ganz gut aussieht, was die Kuscheloase zu bieten hat.
Von “schön gestalteten, stets sauberen und modern eingerichteten Zimmern”, weiß die offizielle Internetseite “Kuscheloase.com” zu berichten.
“Hochwertig und stilvoll ausgestattete” Räumlichkeiten mit “Pool, Musikanlage, Handtüchern und separat begehbaren Bad- & WC-Einrichtungen” seien ebenso im Angebot.
Und: Die Option “unsere Zimmer sowohl mit als auch ohne Poolnutzung anzumieten”, existiert obendrein. Flexibilität und Polyvalenz, die modernen Tugenden werden vorgelebt in der Kuscheloase.
Komisch also, dass Matthias Sammer von ihr redet, als wäre sie Sodom und Gomorra in Oasenunion.
Erst bei genauerem Hinsehen versteht man, was Sammer so empört.
Mit Rücksicht auf die mitlesenden Kinder wollen hier nicht zu genau ausführen, wofür die Betreiber der Kuscheloase ihre stets sauberen Zimmer tatsächlich so schön gestaltet und modern eingerichtet haben.
Nur so viel: Es geht um Sex.
Außerehelichen Sex zum Teil sogar, schlimmer noch womöglich, auch wenn es Kuscheloase.com so genau nicht ausformuliert: um Akrobatik-Sex.
Nicht falsch verstehen, es soll hier nicht darum gehen, spießigen, kleinbürgerlichen und anti-akrobatischen Moralvorstellungen das Wort zu reden.
Es geht hier um rein sportliche Gesichtspunkte. Von denen aus muss man Matthias Sammer einfach verstehen, hier und jetzt in der entscheidenden Phase der Mission Triple-Verteidigung.
Eine Mannschaft, in der es zugeht wie in den Räumlichkeiten der Kuscheloase, rein im übertragenden Sinne, wie sich versteht, hat ein Problem.
Spätestens dann, wenn sie auf eine trifft, die davon überzeugt ist, für echte Liebe einzustehen.
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