Es war eine der größten Überraschungen des Jahres: am 4. Februar 2019 kündigte Respawn Entertainment Apex Legends an, ein Battle-Royale-Game, das inhaltlich wie optisch an Titanfall erinnern soll. Nur wenige Stunden später erfolgte zur Überraschung aller die direkte Veröffentlichung. Das Spiel wurde ein voller Erfolg und feiert nun den dritten Geburtstag. Wir haben im Zuge dessen mit Game Director Steven Ferreira gesprochen, der mittlerweile zu den Verantwortlichen von Apex Legends gehört.
Dies ist der zweite Teil einer zweiteiligen Interviewreihe mit Steven Ferreira. Das Interview führte Florian Merz. Hier geht es zu Teil 1.
SPORT1: Ihr habt schon viele unterschiedliche Elemente für das Spiel geschaffen und implementiert. Was würdest du sagen, war das Schwierigste, dass ihr bis dato für Apex Legends geschaffen habt?
Steven Ferreira: Hmm, generell betrachtet würde ich nicht sagen, dass es dieses eine schwierige Element gegeben hat, im Sinne von entwickeln. Legenden und Karten dauern grundsätzlich am längsten, was aber auf den Prozess an sich zurückzuführen ist. Hierbei versuchen wir immer einen Schritt in die richtige Richtung zu machen und wenn wir das Gefühl haben, dass wir damit nicht weiterkommen, verfolgen wir stattdessen eine andere Idee. Es von der Idee bis zur finalen Umsetzung zwischen ein bis zwei Jahre, je nachdem um was sich handelt. Die beiden genannten Inhalte sind es zudem, die nach der Veröffentlichung die meiste Pflege benötigen. Alles wird mit einem Ziel im Kopf entwickelt, umgesetzt und getestet, damit es dieser Idee entspricht. Doch sobald ein Inhalt live geht und wir sehen, was die Spieler alles damit anstellen, müssen wir immer wieder die Elemente anpassen, verbessern und vieles mehr. Und, wenn ich ehrlich bin, das ist eines jener Dinge, die Apex Legends, als Live-Service-Game, so großartig macht.
SPORT1: Apropos Legenden. Wie sieht der Prozess zur Schaffung eines neuen Charakters eigentlich aus?
Steven Ferreira: Bei der Entstehung einer Legende gibt es keine in Stein gemeißelten Vorgaben. Noch vor der Corona-Pandemie hatten und haben wir in unserem Büro eine große Wand, an der jeder eine Idee für neue Inhalte, Karten und vor allem Legenden anbringen kann. Egal, ob es sich dabei um eine Zeichnung, eine Beschreibung oder etwas anderes handelt. Jeder hat die Möglichkeit, diese Idee an das Legends-Team zu pitchen. Sollte sie Anklang finden und im grundsätzlichen Testing gut ankommen, übernimmt jemand die Leitung über dieses Projekt und überwacht oder betreut die Umsetzung. Dann werden einige elementare Dinge umgesetzt, unter anderem das Prototyping, um ein Gefühl für die Figur zu bekommen und zu sehen, ob wir uns in die richtige Richtung bewegen und auch, um Doppelungen oder Ähnlichkeiten zu bestehenden Charaktere zu vermeiden. Im Anschluss kommt es zur Schaffung der Ausrichtung, Spielmodi und vieles mehr. Zum Abschluss schaffen wir ein „Gefühl“, dass die Figuren bei den Spielenden hinterlässt.
SPORT1: Apex Legends ist neben einem reinen Multiplayer-Spiel auch etwas, das über eine kompetitive Szene verfügt, sprich eine aktive eSports-Community. Hattet ihr diese bereits bei der Entwicklung im Hinterkopf oder war eSports generell etwas, dass euch beschäftigte?
Steven Ferreira: Das Spiel wurde von Anfang an als kompetitiver Online-Shooter geschaffen. Entsprechend war dies eine logische Entwicklung hinsichtlich des eSports. Aber wie bereits zuvor schon erwähnt, wir haben Apex Legends so gestaltet, dass es für alle möglichen Personen zugänglich ist. Das ist zwar eine echte Herausforderung, aber dennoch eine interessante Herausforderung. Wir wollen das Spiel zugänglich halten und trotzdem Möglichkeiten für Profispieler schaffen, entsprechend ist dies immer ein schmaler Grad. Die Spieler in der Apex Legends Global Series zeigen uns, dass die Möglichkeiten nach oben ohne Grenzen sind. Deshalb werden wir uns weiter daran machen, das Spiel entsprechend zu balancen und für alle Interessierten offenzuhalten.
