Sommer mit Schmerzen
Als Meister könnten die Basketballer des FC Bayern selbstbewusst in die Vorbereitung auf die neue Saison gehen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Der wütende Svetislav Pesic hat regelmäßig seine Auftritte auf dem Parkett, manchmal folgt darauf der Ankläger gegenüber den Medien.
Auch den Lehrer hat er im Repertoire, dann und wann auch den hintergründigen Komiker.
Den nachdenklichen Pesic gibt es selten zu sehen.
Aber gerade jetzt, vor dem Start ins Trainingslager am 24. August nach Bruneck in Südtirol, mit komplettiertem Kader, zeigt der Trainer der Basketballer des FC Bayern München eben diese Seite.
Pesic ungewohnt kleinlaut
Keine flammende Rede hält er, fährt keine Attacken gegen die Konkurrenz.
Stattdessen sagt er: „Ich weiß nicht ob die Mannschaft stärker ist als in der vergangenen Saison.“
Auch wenn die Bayern viele ihre etablierten Stars um Bryce Taylor und John Bryant halten konnten, haben sie keinen Sommer nach Plan erlebt, im Gegenteil.
Hochdotierter Vertrag in Russland
„Ich bin enttäuscht, dass wir Malcolm Delaney und Deon Thompson nicht halten konnten“, sagt Pesic.
Beide haben sich für deutlich besser dotierte Verträge im Ausland entschieden, MVP Delaney soll dem Vernehmen nach in Russland 1,1 Millionen Euro pro Saison verdienen.
Eine Summe, bei der Bayern weder mithalten kann noch will.
Dennoch schmerzen Pesic die Abgänge: „Vielleicht bin ich etwas altmodisch, aber für mich steht Geld nicht im Vordergrund.“
Alle Konzentration auf die Meisterschaft
Wobei die Bayern selbst natürlich keinesfalls arm sind, schon gar nicht nach den Maßstäben der Beko BBL.
Mit 13 Millionen Euro für die kommende Saison liegen sie gemeinsam mit den Brose Baskets Bamberg an der Spitze. Der neue Kader wurde mit dem Anspruch zusammengestellt, wieder Meister zu werden.
„Ein echter Champion bist du, wenn du deinen Titel verteidigst“, sagt Pesic. „Unser Ziel ist ganz simpel: Die Meisterschaft.“
Und daran werden die Bayern gemessen, das ist ihm und allen anderen im Verein klar: „Alles ist darauf ausgerichtet.“
Die Euroleague, die Hammergruppe: In diesem Sinne eher Beiwerk.
Schwierige Suche nach einem Nachfolger
Was die Zugänge betrifft, klingt Pesic erstaunlich nüchtern. „Wir können nicht sagen: Du, du und du, ihr kriegt jetzt einen Vertrag beim FC Bayern und dann freuen sich alle.“
Gerade die Suche nach einem Nachfolger für Malcolm Delaney war schwierig.
„Die US-Profis auf dem Markt waren allesamt Comboguards, aber wir haben einen reinen Aufbauspieler gesucht, weil sowohl Heiko Schaffartzik als auch Anton Gavel beide Guard-Positionen spielen können“, so Pesic.
Fündig wurden die Bayern in Serbien, beim 20-jährige Vasilije Micic.
„Ein purer Aufbauspieler“, sagt Pesic. „Einer wie Steffen Hamann. Aber er braucht Zeit und Unterstützung.“
Ein Meister geht
Hamann, vier Jahre lang Kapitän in München, wird den FC Bayern verlassen.
„Er war der richtige Kapitän und hat der Mannschaft stets sehr geholfen, die Meisterschaft haben wir auch für ihn gewonnen“, sagt Pesic. „Aber irgendwann hat alles ein Ende.“
In diesem Fall die sportliche Tauglichkeit des ehemaligen Nationalspielers für den FC Bayern.
Steffen Hamanns Karriere
Neuer Star auf der Forward-Position
Auf den großen Positionen überraschten die Bayern – mit zwei Serben und einem Familienmitglied und Ex-Bayern.
Neuer Star auf der Power-Forward-Position ist Nationalspieler Dusko Savanovic, 30, auf dieser Position aushelfen kann Vladimir Stimac, 27, eigentlich nomineller Center.
Und dann kehrt eben noch Jan Jagla nach einer Saison in Berlin nach München zurück. Als Plan B.
Schnelles Handeln bei Jagla
Thompson hatte sich erst Mitte August gegen die Bayern entschieden, da griffen sie bei Power Forward Jan Jagla zu, der in Berlin eine richtig gute Saison gespielt hatte.
„Ich hatte ihn erst nicht auf dem Zettel. Aber er hatte ein gutes Angebot aus der Türkei, da mussten wir schnell handeln.“
Wunschspieler Gavel
Mit Gavel hat der Verein sowieso seinen Wunschspieler für den Backcourt bekommen, auch der Deutsch-Slowake steht für einen europäisch geprägten Spielstil.
Tatsächlich haben nur noch zwei Spieler, Taylor und John Bryant, einen amerikanischen Pass.
War es Absicht, wieder mehr Richtung Europa, mehr Richtung Osten zu gehen? „Ich schaue nicht auf den Namen oder den Pass ? sondern nur, was der Basketballer kann“, entgegnet Pesic.
Jagd auf den Meister
Dazu muss gehören, seine Qualität schnellstmöglich im Bayern-Trikot auf das Parkett zu bekommen.
Dass seine Mannschaft in der neuen Saison noch heftiger gejagt werden wird als in der alten, weiß Pesic.
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„Jetzt wollen uns die anderen nicht nur schlagen, weil wir der FC Bayern sind, sondern zudem, weil wir der Meister sind.“