Fangen wir hier nicht an mit der üblichen Auflistung der Sommerloch-Stars vergangener Zeiten.
Sie kennen Sie alle, einerseits. Andererseits haben sie alle auch keinen Bezug, die eine Erwähnung in der Sportberichterstattung rechtfertigt.
Braunbär Bruno, Kuh Yvonne, Kaiman Sammy, Höckerschwan Schwani: Sie alle haben sich auf ihre jeweils eigene Art ihr öffentliches Auskommen erarbeitet, von einer sportlichen Leistung im allgemein bekannten Sinne konnte jedoch in keinem der Fälle die Rede sein.
Konsequenterweise hat sich das Kuratorium dieser Kolumne aus inhaltlichen Gründen stets dagegen entschieden, eines der genannten Tiere hier zum Thema zu machen.
In diesem Sommer wird diese Logik jedoch durchkreuzt von der Schnappschildkröte, die gegenwärtig die Bewohner im näheren Umkreis des Dechsendorfener Weihers – fachsprachlich korrekt ausgedrückt – in Atem hält.
Anders als die Schnappschildkröte Lotti, die im vergangenen Jahr im Oggenrieder Weiher – fachsprachlich korrekt ausgedrückt – ihr Unwesen trieb, wildert dieses Exemplar nämlich auch im Revier der sportbegeisterten Population: Sie hört auf den Namen “Suarez”.
Schnappschildkröte Suarez ist, Sie wissen es ja, vor einigen Wochen von zwei Spaziergängern zwischen dem Dechsendorfener Weiher und dem Kleinen Bischofsweihers das erste Mal und das letzte Mal gesehen worden.
Damals wurde eine – fachsprachlich korrekt ausgedrückt – fieberhafte Suche gestartet, die bis heute – fachsprachlich noch korrekter ausgedrückt – auf Hochtouren läuft. Bis heute allerdings keine Spur von Schnappschildkröte Suarez.
Keine Selfies mit Weiherpromenade auf Instagram, keine Schnappschildschüsse vom Schlammspaß mit Schnappschildfreundin Ann-Kathrin. Nichts.
Man muss damit rechnen, dass der Versuch, Schnappschildkröte Suarez im Landkreis Erlangen-Höchstadt zu halten, auch weiterhin erfolglos bleibt, obwohl sie nach übereinstimmenden Medienberichten inzwischen mit Suarez-optimierten Fangboxen durchgeführt wird: Zu groß ist mittlerweile die internationale Aufmerksamkeit, die Suarez erregt hat.
Mehrere europäische Topteiche, so hört man, sind inzwischen in das Rennen um sie eingestiegen. Die Hampstead Ponds aus London locken dem “Daily Mirror” zufolge mit einer ähnlich hohen Mega-Angebot wie der von russischen Oligarchen gepäppelte Tschistyje Prudy in Moskau. Die stets gut informierte “Marca” will Schnappschildkröte Suarez gar bereits beim Medizincheck nahe des Estanque del Retiro in Madrid gesichtet haben.
Zu einem dieser Großgewässer wird es Suarez wohl ziehen, ein belastbares Treuebekenntnis zum Dechsendorfener Weiher hat man von ihr jedenfalls nicht gehört.
Bedauerlich, einerseits. Andererseits wäre es wohlfeil, hier jetzt mit der Söldnermentalität auf dem internationalen Reptilienmarkt anzufangen.
Keiner kann schließlich sicher sein, wie er handeln würde, wäre er in derselben Situation wie Suarez.
Ich behaupte einmal, dass jeder von uns, wäre er eine Schnappschildkröte, bei einer lukrativen Offerte schlicht auch einfach – fachsprachlich korrekt ausgedrückt – zubeißen würde.
