Mike Frantz fängt an mit dem Hinweis, dass er nun 27 ist und das nicht mehr will, man kann da folglich kaum anders, als erstmal zusammenzuzucken.

Immer wieder liest man ja von prominenten Menschen in genau jenem Alter, denen ebenso eine bestimmte Form von Willenlosigkeit zueigen war und denen dann schlimme Dinge passiert sind – oft ja leider das letztgültig Schlimme.

Liest man Mike Frantz‘ Geschichte in der „Bild“-Zeitung weiter, erfährt man glücklicherweise, dass es um ihn nicht gar so schlimm steht. Wobei andererseits: eigentlich doch.

Der Fußballspieler, der seit Neuestem in Diensten des SC Freiburg steht, hat mit seinen 27 Jahren zwar nicht im eigentlichen Sinne sein Leben beschlossen, sehr wohl allerdings einen gewichtigen Teil davon.

www.mikefrantz.de, die Netzexistenz von Mike Frantz, ist nicht mehr.

An ihrer Stelle befindet sich nun nur noch die Inschrift: „Hier entstehen die Internet-Seiten des Parallels Confixx Benutzers. Die Domain ?www.mikefrantz.de? ist nicht verfügbar.“

Es ist ein trauriger Anblick, gerade dann, wenn man sich zugleich ansieht, wie anderswo das digitale Leben blüht.

Man blicke auf www.mario-goetze.com oder alternativ auf die Mario-Götze-App, erhältlich im App Store, bei Google Play und über Samsung Apps, Hashtag #partofgoetze: Da ist alles.

Mario Götzes Fußballkarriere, sein Lifestyle, seine Fashion, seine Charity-Projekte, seine Top-5-Musiker, Top-5-Songs, Top-5-Schauspieler, Top-5-Schauspielerinnen, Top-5-Filme, Top-5-Serien, Top-5-Reiseziele, Top-5-Freizeitbeschäftigungen, seine Facebook-Posts, seine Tweets, seine Google-Plus-Meldungen, seine YouTube-Videos, seine Instagram-Selfies mit Ann-Kathrin Brömmel: Im Mario Götze Channel ist das Dasein von Mario Götze derart lückenlos multimedial aufbereitet, dass man sich bisweilen fragt, wie er nebenher überhaupt noch dazu kommt, es zu leben.

Und Mike Frantz? Er ist lediglich auf Instagram und setzt „ab und zu ein Bildchen ab“.

Als ob Instagram alles im Leben wäre.

Was tut er darüber hinaus für die, die #partofmikefrantz sein wollen? Die Mike Frantz‘ Top-5-Musiker, Top-5-Songs, Top-5-Schauspieler, Top-5-Schauspielerinnen, Top-5-Filme, Top-5-Serien, Top-5-Reiseziele, Top-5-Freizeitbeschäftigungen in Erfahrung bringen möchten?

„Wer meine Meinung hören möchte, kann immer persönlich mit mir reden“, lautet der fadenscheinige Trost, den er bietet.

Man könnte sich nun beruhigen mit der Vorstellung, dass Mike Frantz bestimmt nur ein kurioser Einzelfall ist.

Aber nein: Sein Gebaren wird beim SC Freiburg nicht nur geduldet, sondern aktiv unterstützt – bis in höchste Kreise. Julian Schuster, sein Kapitän, überlegt ebenfalls, seine persönliche Website www.julianschuster.de vom Netz zu nehmen.

Ein ganzer Verein ist also dabei, sich abzukapseln in einer Offline-Scheinwelt.

Und Mike Frantz treibt es auf die Spitze, indem er Kritikern dieser Entwicklung entgegenhält: „Jeder, der mich kennenlernen möchte, kann gerne zum Training kommen.“

Am besten auch noch mit dem Fahrrad, wie sein Oberboss, der unter www.christianstreich.de natürlich auch nicht verfügbar ist.

Ein verschrobener Ort, dieses analoge Freiburg.

In diesem Sinne:

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