In den Nachrichten ist zunächst einmal die Rede von einer “haarigen Angelegenheit”.

Das ist zunächst einmal in Ordnung so, denn natürlich: Angelegenheiten, in denen Haare eine Hauptrolle spielen, kann und darf man mit Fug und Recht auch als haarig klassifizieren.

Man denke – um nur die jüngsten Beispiele aus der Fachpresse zu nennen – die große Aufstiegssause in der Dreifachsporthalle Warstein, bei der der Trainer der örtlichen Damenhandballmannschaft eine im Vorfeld abgemachte Wette einlöste und seine Haare und seinen Bart – ich zitiere – “der Erdanziehungskraft zum Opfer” fallen ließ.

Oder an die Szene in Detmold, in der den Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung Studienfonds OWL, die auf Einladung der Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe einen Blick hinter die Kulissen des örtlichen Landestheaters werfen durften, eine Perücke aus dem Musical “Kiss Me, Kate” vorgeführt wurde.

Haarige Begebenheiten, hüben wie drüben. Trotzdem: Jene, von der uns diese Woche berichtet wurde, spielt doch in einer etwas anderen Liga.

Pele, der große Fußballer Brasiliens, so ist zu lesen, hat 1283 Diamanten aus seinen Haaren herstellen lassen, käuflich zu erwerben für rund 7500 Dollar das Stück.

Haare zu Diamanten: Was für eine herrliche Vorstellung.

Eine Sache von allzu unbarmherziger Vergänglichkeit – der Autor dieser Zeilen weiß es zu gut -, mit einfachen Mitteln zu etwas zu machen, das die Ewigkeit überdauert.

Man ist aber doch überrascht, dass gerade Pele auf diese Idee gekommen ist.

Gewiss: Er hat einiges geleistet im Lauf seines Fußballerlebens. Seine Haare allerdings, so ehrlich muss man sein, zählen nicht zu seinen historischen Errungenschaften.

Karl Del Haye, Rene Higuita, Carles Puyol, Abel Xavier, Norbert Nigbur, Harald Konopka, Carlos Valderrama, Mike Werner: Man fragt sich, was wäre, wenn einer von ihnen die Möglichkeit erkannt hätte, seinen Kopfbewuchs durch den Druck und die Hitze des HPHT-Verfahrens zu Juwelen verformen zu lassen.

Was es wohl für die Welt des Luxuswarenhandels bedeutet hätte, wenn dieser natürlich wachsende Rohstoffschatz auch nur im Ansatz für ihn erschlossen worden wäre?

Eine faszinierende Idee, die einem zugleich aber auch Angst macht: Man denkt zurück an den James-Bond-Film “Diamantenfieber”, in dem ein kriminelles Syndikat durch die plötzliche Ausgabe wertvollster Edelsteine den Weltmarkt ins Chaos zu stürzen versucht.

Ein solches Szenario wäre auch in diesem Fall eine realistische Bedrohung gewesen.

Wohl besser also für die globale Wirtschaft, dass nur Pele seine Haare hat versteinern lassen. Und auch besser für das Kulturerbe.

Denn klar, es ist sicher wahr, was Shirley Bassey in dem schon angesprochenen Kinowerk gesungen hat: Diamanten sind für immer.

Die Frisuren von Del Haye, Valderrama und Werner sollten es allerdings auch sein.