Der unterschenkelamputierte Weitspringer Markus Rehm hat bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Ulm für eine Sensation gesorgt.

Der Paralympics-Sieger von 2012 aus Leverkusen sicherte sich als erster Springer mit Handicap den nationalen Titel und verbesserte seinen eigenen Weltrekord um 29 Zentimeter auf 8,24 m. Die Norm von 8,05 m für die Europameisterschaft in Zürich überbot der 25-Jährige deutlich.

Rehm düpierte in Ulm die versammelte deutsche Weitsprung-Elite. Der ehemalige Europameister Christian Reif, der sich im Mai auf 8,49 m gesteigert hatte, kam nicht über 8,20 m und Platz zwei hinaus.

Dritter wurde Julian Howard mit 7,90 m. Der amtierende Europameister Sebastian Bayer erlebte mit 7,62 m als Fünfter ein Debakel. Hinterher heizte der 28-Jährige die Diskussion um ein etwaiges Technik-Doping bei Rehm an: „Die Prothese ist gefühlte 15 Zentimeter länger als das andere Bein.“

Rehm wird vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nun aller Voraussicht nach für die EM nominiert. Dann muss der Europa-Verband EAA über einen endgültigen Start in der Schweiz entscheiden.

Der Blondschopf liegt nach seinem Coup auf Rang fünf in Europa. „Was die EM angeht, müssen wir abwarten. Da werden sicher noch Gespräche geführt und auch geführt werden müssen.“ Ein juristisches Hickhack, um seinen Start in Zürich einzuklagen, schloss Rehm aus. „Ich vertraue den Analysen des DLV“, sagte er.

Biomechaniker haben während des Wettkampfes Daten erhoben, um zu analysieren, ob seine Leistungen mit denen der anderen Springer zu vergleichen sind.

Wann die Wissenschaftler geklärt haben, ob Rehm mit seiner Prothese einen unfairen Vorteil gegenüber Nicht-Behinderten hat, steht noch nicht fest. Der DLV strebt für die Zukunft eine Art TÜV für Prothesen an, um Leistungen vergleichbar machen zu können.

Hier gibt es alles zur Leichtathletik