Nur für einen ganz kurzen Moment verlor Rory McIlroy die Kontrolle über das Geschehen.
“Die Unterstützung war die ganze Woche über fantastisch”, bedankte sich der frischgebackene British-Open-Champion beim Publikum in Hoylake in der Nähe von Liverpool, “auch wenn ich Fan von Manchester United bin…”
Weiter kam der Nordire nicht, ehe ihn das Publikum gnadenlos ausbuhte.
Keine Chance für die Verfolger
Aber selbst damit hatte McIlroy wohl gerechnet. Und so richtig böse nahmen ihm die Zuschauer seinen kleinen Seitenhieb auch nicht.
Zu sehr hatte der 25-Jährige vier Tage lang mit Leistung beeindruckt. Dass er am Schlusstag mit 71 Schlägen seine schwächste Runde spielte – geschenkt. Letztlich stand die Zahl 271 und damit 17 unter Par auf McIlroys Scorecard.
Damit ließ er sowohl Rickie Fowler aus den USA als auch den Spanier Sergio Garcia um jeweils zwei Schläge hinter sich.
Schwarze Serien setzen sich fort
Beide bestätigten damit ihren Ruf als erstklassige Golfer, konnten ihre schwarzen Serien aber nicht beenden. Fowler kam als einziger Spieler in allen bisherigen Majors 2014 unter die Top 5, Garcia wurde zum vierten Mal in seiner Karriere bei einem Major-Turnier Zweiter. Gewinnen konnten beide allerdings noch keines.
In Hoylake lag das vor allem an einem glänzend aufgelegten McIlroy, der als gerade einmal siebter Spieler in der Geschichte des seit 1860 ausgetragenen Traditionsturniers nach jeder Runde alleine an der Spitze des Feldes lag.
“The Open ist das eine Turnier, das wir alle gewinnen wollen und nach dem wir alle streben. Und den ‘Claret Jug’ zu halten, ist ein unglaubliches Gefühl”, sagte der Champion Minuten nach seinem Sieg.
Freude bei den Eltern
Die Erste, die in den Genuss kam, dieses Gefühl mit ihm zu teilen, war McIlroys Mutter Rosie. Noch auf dem Green des 18. Lochs umarmten sich die beiden herzlich, während sie sichtlich Tränen in den Augen hatte.
Nicht weniger dürfte sich auch Vater Gerry über den Erfolg seines Sohnes gefreut haben, zumal er davon auf besondere Art und Weise profitierte.
Bereits vor sage und schreibe zehn Jahren sollen McIlroy senior und drei seiner Freunde jeweils 100 Pfund auf einen British-Open-Sieg des damals gerade einmal 15 Jahre alten Rory vor dessen 26. Geburtstag gesetzt haben.
Dank einer Quote von 500:1 wäre die Bietergemeinschaft damit jetzt um umgerechnet 252.000 Euro reicher.
Historischer Sieg
Im Vergleich zur Siegprämie von 1,23 Millionen Euro wirkt das zwar immer noch wie Peanuts. Viel mehr als über den schnöden Mammon freute sich McIlroy aber ohnehin über seinen historischen Sieg.
“Es fühlt sich unglaublich an. Dreiviertel des Grand Slams zu gewinnen, ist eine beachtliche Leistung”, sagte McIlroy, dem nur noch das US-Masters zum ganz großen Triumph fehlt.
Als gerade einmal dritter Golfer in der Masters-Ära verbuchte er bereits vor seinem 26. Geburtstag Siege bei drei verschiedenen der vier Major-Turniere. Die beiden Spieler vor ihm: Jack Nicklaus und Tiger Woods.
Woods und Kaymer enttäuschen
Eben jener Woods landete in Hoylake mit 23 Schlägen Rückstand am Ende auf dem 69. Platz. Sogar noch eine Position dahinter beendete Deutschlands bester Golfer Martin Kaymer nach einer desaströsen 79er-Schlussrunde das Turnier.
Die Tage in Hoylake seien eben “eine dieser Wochen” gewesen, “in denen die schlechten Schläge zu richtig schlechten Ergebnissen führen und die guten nicht belohnt werden”, zog der ehemalige Weltranglisten-Erste ein ernüchterndes Fazit.
McIlroy dagegen schob sich durch seinen Sieg ganz nebenbei auch noch in der Weltrangliste von Platz acht auf die zweite Position nach vorne – und damit unter anderem auch wieder an Woods vorbei.
Ob McIlroys Glanzleistung tatsächlich, wie vom einen oder anderen Experten vermutet, mit der kürzlichen Trennung von Tennisspielerin Caroline Wozniacki zusammenhing, bleibt dahingestellt.
Auffällig war eines aber schon: Auch die Dänin war am Sonntag erfolgreich, konnte in Istanbul ihren ersten Turniersieg 2014 verbuchen.
Und präsentierte sich beim 6:1, 6:1 im Finale gegen die Italienerin Roberta Vinci ähnlich souverän wie ihr Ex-Freund.
