BVB-Warnlämpchen in der Abwehr

BVB-Warnlämpchen in der Abwehr

Im DFB-Pokal wackelt Borussia Dortmunds Defensive. Sportdirektor Zorc mahnt. Klopp muss Fluch und Segen der Rotation ausloten.

Aus Stuttgart berichtet Christoph Lother

Stuttgart – Es gab einiges, das beim 4:1-Sieg von Borussia Dortmund in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Drittligisten Stuttgarter Kickers passte. (BERICHT: Neues Traumduo schießt BVB weiter)

In allererster Linie natürlich das Ergebnis. Dazu das erfolgreiche Comeback von Nationalspieler Marco Reus, der erstmals seit zweieinhalb Monaten wieder auf dem Rasen gestanden und immerhin 57 Minuten lang durchgehalten hatte. (

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Dazu das erste Pflichtspiel von Verteidiger Neven Subotic nach seinem Kreuzbandriss im vergangenen November, das erste Pflichtspieltor von Zugang Adrian Ramos und der erneut überzeugende Auftritt des neuen Offensiv-Traumduos Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang.

Doch zwischen all diesen Lichtblicken mischte sich auch etwas Skepsis – vor allem mit Blick auf die Abwehr.

Freilich wäre es entschieden zu früh, nach dem einen Gegentor Alarm zu schlagen – zumal der Treffer auch noch aus einer Abseitsposition heraus erzielt worden war.

Das eine oder andere Warnlämpchen wird bei den Schwarz-Gelben nach ihrem phasenweise doch recht wackeligen Auftritt in Stuttgart aber glühen.

Schließlich hatten sie die immerhin zwei Ligen tiefer beheimateten Kickers im Laufe der 90 Minuten gleich zu mehreren hochkarätigen Torchancen eingeladen.

“Zwischenzeitlich haben wir das Spiel nicht mehr so kontrollieren können. Es war wesentlich enger als das Ergebnis”, gab BVB-Sportdirektor Michael Zorc unumwunden zu und erklärte: “Die Kickers sind immer wieder gefährlich vor unser Tor gekommen. Sie waren wuselig und spielstark. Wir haben uns in vielen Zweikämpfen verzettelt.”

Hinzu kamen ungewohnte Fehlpässe im Spielaufbau und Schläfrigkeiten in der Rückwärtsbewegung.

Nachlässigkeiten, die vielleicht ein Elia Soriano oder auch ein Randy Edwini-Bonsu nicht oder nicht ausreichend nutzen können – wohl aber ein Stefan Kießling.

Der ehemalige Nationalstürmer erzielte beim 6:0 von Bayer Leverkusen gegen den Sechstligisten Alemannia Waldalgesheim am Freitagabend fünf Tore. Am kommenden Samstag reist er mit der Werkself zum Liga-Auftakt nach Dortmund.

Bis dahin sollte die Abwehr der Borussia sicherer stehen.

Trainer Jürgen Klopp hat in den vergangenen Wochen in der Defensive viel getestet.

In den vergangenen Wochen wechselte er munter durch – besonders im Abwehrzentrum. Mal lief der Grieche Sokratis neben dem Serben Subotic auf, mal neben Weltmeister Matthias Ginter. Ein anderes Mal Subotic und Ginter.

Auf der einen Seite eine nachvollziehbare Rotation, hat Klopp in der Innenverteidigung doch die Qual der Wahl und will seine Bewerber allesamt und in allen Variationen testen. Auf der anderen Seite aber eben auch ein Risiko, da sich die einzelnen Verteidiger-Paare schlecht aufeinander einspielen und abstimmen können.

Gegen die Leverkusener, die in ihrer ersten Saison unter dem neuen Trainer Roger Schmidt dessen bevorzugten Offensivfußball spielen wollen, müssen die Abläufe in der Dortmunder Defensive stimmen.

So wie beim 2:0 im Supercup gegen den FC Bayern, bei dem Sokratis seinen ehemaligen Teamkollegen Robert Lewandowski nahezu komplett aus dem Spiel nahm.

Jedoch nicht so wie zuvor beim 0:4 im abschließenden Test beim FC Liverpool, bei dem nicht nur Neuzugang Ginter schwer patzte. Oder eben wie phasenweise am Samstag in Stuttgart.

“Solche Drecksspiele gibt es eben. Es kann nicht immer alles von Anfang an so laufen, wie man es sich wünscht”, sagte Rückkehrer Subotic.

Zorc wollte nicht zu kritisch mit den Spielern umgehen: “Phasenweise ist das bei uns momentan alles ein bisschen zäh. Aber wir gewinnen die Spiele, also ist alles in Ordnung.”

Ihren Platz in der Viererkette sicher haben dürften gegen Leverkusen Lukasz Piszczek auf der rechten und Erik Durm auf der linken Seite. Durm profitiert dabei auch von der Verletzung von Marcel Schmelzer.

In der Abwehrzentrale ist der interne Konkurrenzkampf jedoch spannend.

Klar scheint nur, dass der Ligastart gegen Leverkusen für den neuen Kapitän Mats Hummels noch zu früh kommt. Hummels erholt sich noch von Muskelproblemen als Nachwehen der WM.

Von den übrigen drei Rivalen dürfte Sokratis leicht die Nase vorn haben.

Wer auch immer auflaufen wird: Stabilität und Ordnung müssen besser sein als in Stuttgart.