Lionel Messi war 18 Jahre und zwei Monate alt.
Bei Edison Arantes do Nascimento, genannt Pele, waren es 16 Jahre und acht Monate. Diego Armando Maradona war noch früher dran: Mit 16 Jahren und drei Monaten.
Martin Odegaard ist 15 Jahre und acht Monate alt. In einer Woche, am 27. August, soll er für Norwegens A-Nationalmannschaft gegen die Vereinigten Arabischen Emirate sein erstes Länderspiel bestreiten. Früher als Messi, früher als Pele, früher als Maradona.
Wer ist dieser Junge?
Von Buskerud auf die große Bühne
Nicht zu Unrecht redet momentan die ganze Welt über den offensiven Mittelfeldspieler aus der Provinz Buskerud, glaubt man den Kennern des norwegischen Fußballs.
“Man konnte schon früh sehen, welch wahnsinnige Entwicklung Martin nimmt”, sagt Kjetil Rekdal, langjähriger Nationalspieler des Landes und früherer Coach des 1. FC Kaiserslautern, im Gespräch mit SPORT1: “Es freut mich unglaublich für den Jungen und natürlich auch für unser Land.”
Odegaard sei “das größte Talent, das es in Norwegen seit Jahren gegeben hat”, befindet der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Jörn Andersen.
“Vom Typ ein Mario Götze”
Odegaard wird in seiner Heimat längst mit Messi verglichen.
Während Rekdal diese Vergleiche “einfach unglaublich” findet, sieht Andersen diese als etwas verfehlt an: “Lionel Messi ist weit weg. Wenn er sich weiterentwickelt, ist er vom Typ her eher ein Mario Götze.”
Nichtsdestotrotz sei Odegaard “unglaublich weit. Er ist technisch stark und hat ein gutes Auge für den Nebenmann. Er hat gewisse Fähigkeiten, die die meisten norwegischen Spieler nicht haben.”
Beim FC Bayern schon vorgespielt
Fähigkeiten, die den Scouts in anderen Ländern nicht entgangen sind.
Odegaards Vater verriet zuletzt in norwegischen Medien, dass rund 30 europäische Top-Klubs ihr Interesse an seinem Sohn bekundet hätten.
Diverse Probetrainings bei großen Vereinen hat er schon absolviert, bei Manchester United und auch beim FC Bayern München.
Ruhige Entwicklung bei Strömsgodset
Im Moment spielt er noch an einer weniger klangvollen Adresse: bei Strömsgodset IF in seiner Geburtsstadt Drammen.
Strömsgodset sei “kein Profiverein, eher ein Amateurverein”, erklärt Andersen, “aber für ihn ist das vielleicht gar nicht so schlecht, um sich in Norwegen weiterzuentwickeln. Dass er bis Ende der Saison in Norwegen bleibt ist für mich eine sehr clevere Entscheidung.”
Odegaard debütierte zu Beginn dieser Saison in der norwegischen Tippeligaen und erzielte in 14 Spielen drei Tore.
Die Schule hat Priorität
“Er kann ein Superstar werden und zeigt schon jetzt, warum ihn einige internationale Top-Vereine auf dem Zettel haben”, sagt Rekdal.
Zugleich finden er und Andersen es klug, dass Odegaard diesen Top-Vereinen noch die kalte Schulter zeigt.
“Es ist clever von seinem Vater, dass er nicht wie viele andere auf die vielen Angebote aus dem Ausland anspringt”, findet Andersen: “Martin bleibt in Norwegen. Er macht seine Schule fertig. Er trainiert und arbeitet unter Amateurverhältnissen neben der Schule.”
“Ich hoffe, die Bayern-Bosse rufen nicht an”
Rekdal sieht es ähnlich: “Ein Wechsel zu einem Klub wie dem FC Bayern käme etwas zu früh, es gab schon einige Spieler, die in jungen Jahren nach München gegangen sind und es hinterher bereut haben.”
Er hoffe “die Bayern-Bosse rufen nicht an” und würde sich wünschen “er kann sich noch etwas in Norwegen entfalten.” Doch auch Rekdal weiß: “Das Geschäft läuft leider ganz anders ab.”
Dass es bei Odegaard noch nicht so gekommen ist, freut ihn: “Dass er erst mal die Schule weiter machen will, finde ich sehr vernünftig. Ich glaube nicht, dass er abheben wird.” (Bild-Copyrights: Getty)
Odegaard ist “total glücklich”
Abgehoben kommt Odegaard in seiner ersten Reaktion auf die Länderspielnominierung jedenfalls nicht rüber.
“Ich habe ein paar gute Spiele gemacht, aber auf eine Nominierung hätte ich bestimmt nicht gewettet”, sagt Odegaard:
“Natürlich bin ich sehr jung, um ein Teil der Nationalelf zu sein, und es war sicher eine schwere Entscheidung von unserem Nationaltrainer, aber ich bin total glücklich.”
Nationaltrainer voll des Lobes
Das ist gewiss auch Nationaltrainer Per-Mathias Hogmo: “Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass er der ‘Komet’ dieser Saison sein wird und der jüngste Nationalspieler der Geschichte werden könnte.”
Und weiter: “Ich bin von seiner bisherigen Entwicklung nicht überrascht. Jetzt kann ich es kaum noch erwarten, ihn im Einsatz zu sehen.”
