James, Love und große Hoffnungen
Cleveland katapultiert sich mit dem Love-Trade in den Kreis der Titelkandidaten. All-Star Love wird überschwänglich empfangen.
Von Florian Pertsch
München – 30 Tage warten, 30 Tage spekulieren.
Kommt er, kommt er nicht. Kevin Love hatte seine Absichten unterdessen längst klar formuliert:
Schluss mit Minnesota, nie wieder Mittelmaß und Good Bye zugefrorene Auspuffrohre im Winter.
Der Kalifornier hatte das Kapitel Timberwolves abgehakt und war bereit für den nächsten Schritt.
Die Cleveland Cavaliers sollten es sein ? und die Cavs sind es nach langem hin und her dann endlich auch geworden.
Zusammen mit Superstar LeBron James und Point Guard Kyrie Irving hat das Team aus Cleveland endlich wieder eine schlagkräftige Truppe und wurde über den Sommer zum legitimen Titelkandidaten in der NBA .
Der Preis für All-Star Love war dabei sogar noch relativ günstig.
Zwar mussten die Cavs mit Andrew Wiggins und Anthony Bennett die beiden Nummer eins Picks des Draft-Sommers 2013 und 2014 plus einen Erstrunden-Pick im nächsten Jahr abgeben, doch ein Schnäppchen ist Love allemal (
).
Der 25-Jährige lieferte in der vergangenen Saison 26,1 Punkte und 12,5 Rebounds im Schnitt ab und bewies mit 4,4 Assists auch ein gutes Auge für seine Mitspieler.
Verglichen mit Bennett und Wiggins haben sich die Cavs für die Taube in der Hand statt zweier Spatzen auf dem Dach entschieden.
Bennett knickte unter dem Druck des Top-Picks ein wie ein Kinderplastik-Stuhl unter Charles Barkley, die Versetzung in die D-League war der negative Höhepunkt seiner Rookie-Saison.
Ex-Jayhawk Wiggins zeigte zwar in der Summer League ordentliche Leistungen, doch ob er ein zukünftiger Superstar werden kann, steht dennoch in den Sternen.
Als der Trade dann endlich über die Bühne gegangen war, wurde Love auch gleich von James in Ohio willkommen geheißen.
Und so soll “The Land” nach der Vorstellung von James in der Saison 2014/15 in den Kampf ziehen. Bei Instagram postete LBJ seine neue Starting Five. Anderson Varejao, Dion Waiters, Love, James und Irving (im Uhrzeigersinn).
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Eine beeindruckende Startformation, doch der James-Faktor hat auch die Bank mit klasse Spielermaterial befüllt.
Shawn Marion, Tristan Thompson, Mike Miller und James Jones bringen Erfahrung satt von der Bank ? und mit etwas Glück kommen noch 18 Jahre NBA-Routine hinzu.
James’ Ex-Heat Kollege und Distanz-Experte Ray Allen will noch eine Saison dranhängen und könnte ebenfalls in Cleveland landen.
Angesichts der schwachen Eastern Conference scheint das Finals-Ticket für die Cavs schon gebucht.
Indiana leidet unter dem George-Drama, Washington ist noch zu unreif und hinter den Bulls steht allein wegen Derrick Rose immer ein Fragezeichen ? ganz abgesehen davon, wie viel Pau Gasol noch im Tank hat.
Mit dem Love-Deal waren Wiggins’ Tage in Cleveland gezählt, für den Rookie am Ende sogar eine Erlösung.
“Die Situation ist besser für mich”, erklärte Wiggins bei “USA Today”: “Ich muss bei einem Klub spielen, wo ich gefordert bin. Es ist nicht gut für mich, wenn die Verantwortlichen Geduld mit mir haben und ich nur eine kleine Rolle spiele.”
Vielleicht war der Wiggins-Deal auch von langer Hand geplant ? auch wenn sich Cleveland lange Zeit gewehrt hatte, den Rookie in den Trade zu packen.
Denn in James’ schriftlicher Erklärung, warum er zurück zu den Cavs wechselt, spricht der zweimalige NBA-Champion davon, wie er welchen Spieler in Cleveland besser machen kann.
Nur über Wiggins verliert er kein Wort. Ein Zufall? Eiskalte Berechnung? Die Wahrheit dürfte wohl nur der innerste Zirkel in “The Land” kennen.
Den Fans wird das wohl alles vollkommen egal sein, denn schließlich ist der verlorene Sohn zu Hause.
Und mit dem Trio James, Love und Irving könnte in Cleveland nach 50 Jahren ohne Titel endlich wieder eine Meisterschaftsparade durch die Stadt rollen.