Die Zeiten, in denen die NBA-Stars einen großen Bogen um die Basketball-Weltmeisterschaft machen, sind längst vorbei.
Seit das historische Dream Team bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona in beeindruckender Manier die Goldmedaille abräumte, haben die amerikanischen Superstars die Möglichkeit erkannt, sich in den Geschichtsbüchern zu verewigen und weltweit ihren Bekanntheitsgrad nochmal zu steigern.
Bei der WM 2010 in der Türkei gelang dies Kevin Durant auf eindrucksvolle Art und Weise.
Durant krönte sich bei der letzten WM zum globalen Superstar und katapultierte sich auf das nächste Level seiner Karriere.
Als wertvollster Spieler (MVP) führte er Team USA zum Titel, es folgten die ersten NBA-Finals, Olympiagold, die Auszeichnung zum MVP der NBA und eine Führungsrolle im US-Basketball.
Genau da liegt nach seiner kurzfristigen Absage für die Basketball-WM in Spanien (ab Sa. LIVE im TV auf SPORT1) aber das Problem.
„Es ist nicht ganz einfach. Du kannst einen Kevin Durant nicht ersetzen“, sagt Coach Mike Krzyzewski.
Er musste nun in kurzer Zeit ein neues System entwickeln. Für die Position des neuen Leitwolfs, der auch die Hauptlast als Scorer übernehmen soll, drängen sich zwei Kandidaten auf.
Schlüsselrolle für Davis
Da auch Paul George nach seinem fürchterlichen Beinbruch ausfällt, verschiebt sich die Gewichtung in dem immer noch hochkarätigen Kader vom explosiven Flügelspiel hin zu Guards und Korbnähe.
Auch angesichts der starken Konkurrenz an den Brettern – vor allem Gastgeber Spanien – kommt dem jungen Anthony Davis eine Schlüsselrolle zu.
Bei den Olympischen Spielen in London überzeugte der dynamische Forward bereits als College-Spieler inmitten der NBA-Stars. „Er ist unser Fixpunkt“, erklärt „Coach K“.
Davis will es der Welt zeigen
In der vergangenen Saison war Davis nicht nur bester Shotblocker der Liga, er wurde auch erstmals zum All-Star Game eingeladen.
Außerdem gelangen dem 21-Jährigen als einem von nur fünf Akteuren durchschnittlich mindestens 20 Punkte und zehn Rebounds pro Partie. Die Führungsrolle bei den New Orleans Pelicans hat der Mann mit den charakteristischen Augenbrauen ohnehin längst inne.
„Es ist für mich eine große Ehre, beim Team USA dabei zu sein. Ich möchte der Welt zeigen, was ich draufhabe und den Titel verteidigen“, sagt Davis.
Trainer setzt auf großgewachsene Spieler
Diese Mischung aus hohen Zielen und Selbstbewusstsein, ohne überheblich zu wirken, kommt bei Disziplinfan Krzyzewski extrem gut an.
Die Trainerlegende der Duke Blue Devils legte bei der Kadernominierung viel Wert auf Länge. Mit DeMarcus Cousins oder Andre Drummond durften junge Center mitfahren, um vor allem den Spaniern Pau und Marc Gasol sowie Serge Ibaka Paroli bieten zu können.
Das heißt aber nicht, dass Davis nur als Power Forward eingesetzt wird.
„Es wird auch vom Gegner abhängen. Wir können mit ihm als Center auch klein spielen, aber die große Variante bringt uns ohne Kevin Matchup-Vorteile“, erklärt Manager Jerry Colangelo.
Curry als Scharfschütze gefordert
Im FIBA-Basketball – ohne die superathletischen Flügel wie Durant oder LeBron James – kommt den US-Guards aber ebenfalls eine wichtige Rolle zu.
Die Hoffnungen ruhen neben Rückkehrer Derrick Rose, der allein schon mit seiner Größe den Jose Calderons und J.J. Bareas dieser Welt Angst einflößt, vor allem auf Stephen Curry.
Der Spielmacher der Golden State Warriors bringt nämlich eine Qualität mit, die James Harden, Rose und Co. mehr oder weniger abgeht: er muss sich als purer Distanzschütze nicht einmal vor den Scharfschützen Litauens oder Juan Carlos Navarro verstecken.
Mehr als nur ein Werfer
Der Sohn der NBA-Legende Dell Curry hat aber noch deutlich mehr zu bieten. Er ist beispielsweise der einzige NBA-Akteur, der 2013/14 bei Punkten und Assists in den Top Ten landete.
„Steph ist ein großartiger Spieler. Er ist längst mehr als ein bloßer Dreierspezialist. Er wird ein entscheidender Teil unserer Offense sein“, sagt Krzyzewski.
Curry, der sich unlängst im Vergleich zu LeBron James als besseren Offensivspieler bezeichnete, stellt an sich bei seiner zweiten WM nicht minder große Ansprüche: „Ich bin bereit, anzuführen.“
Neues Erfolgsrezept
Der 26-Jährige nimmt den Kontrahenten mit seinem eleganten Wurf die Möglichkeit, die USA mit einer Zonenverteidigung aus dem Konzept zu bringen.
Wie man diese Variante knackt, bringt ihnen zudem seit Jahren Krzyzewskis Assistent und „Zonen-Guru“ Jim Boeheim (Syracuse University) bei. Statt Durants Power mit Feuerkraft zu umgeben, heißt nun Inside-Out um Curry und Davis das neue Erfolgsrezept.
Ein Teil dieses Duos könnte die nächste globale Marke werden – und damit Durants Fußstapfen ausfüllen.
